Unser Gartenboden – ein Reich voller Leben

Unser Gartenboden ein Reich voller Leben
Der Boden in unse­rem Gar­ten ist die Grund­la­ge all unse­rer Gar­ten­er­fol­ge. Doch was ist das eigent­lich – „Boden“? Wor­aus besteht er über­haupt? Und was macht einen leben­di­gen Boden aus? Wie kön­nen wir auf ihn einen stär­ken­den Ein­fluss neh­men und so die Basis für gesun­de, wider­stands­fä­hi­ge Pflan­zen in unse­rem Gar­ten­land erschaf­fen??? Dies möch­te ich in meh­re­ren Blog­bei­trä­gen nach und nach etwas näher beschreiben. 

Unser Gartenboden – ein lebendiger Organismus

Wür­den wir in unse­rem Gar­ten ein Loch bud­deln und tie­fer und tie­fer gra­ben, könn­ten wir die unter­schied­lich beschaf­fe­nen Boden­schich­ten gut erken­nen. In den obe­ren 30cm fin­den wir im Ide­al­fall den frucht­ba­ren „Mut­ter­bo­den“, in dem es wuselt und wächst. Dar­un­ter liegt der Unter­bo­den, in den unse­re grö­ße­ren Pflan­zen zwar ihre Wur­zeln schi­cken, der aller­dings kaum noch orga­ni­sche Sub­stanz ent­hält. Und noch tie­fer dann gibt es die Schich­ten mit rein mine­ra­li­schen Bestandteilen.

Das Edaphon – verborgenes Leben im Boden 

Mein Haupt­au­gen­merk bei der Gar­ten­pra­xis rich­te ich auf die obers­te Boden­schicht. Denn in einer Hand­voll beleb­tem Mut­ter­bo­den exis­tie­ren mehr Lebe­we­sen als es Men­schen auf der Erde gibt. All die­se im Boden leben­den Orga­nis­men fas­sen wir unter dem Begriff „Eda­phon“ zusam­men. Dies wur­de abge­lei­tet vom grie­chi­schen Wort „eda­phos“, was ganz ein­fach „Erd­bo­den“ bedeutet.

Gartenboden Garten Boden

Der Mutterboden – 30cm hoch und voller Leben.

Unter idea­len Bedin­gun­gen, z.B. in einem gesun­den Misch­wald, kann das Eda­phon ein Gewicht von rund 25 Ton­nen pro Hekt­ar errei­chen. Jähr­lich ver­ar­bei­ten all die­se Lebe­we­sen bis zu 15 Ton­nen anfal­len­de Pflan­zen­res­te, tie­ri­sche Aus­schei­dun­gen und Abge­stor­be­nes zu sta­bi­lem „Dau­er­hu­mus“. Hier­in fin­den die Pflan­zen dann alles, was sie für ein gutes Leben benö­ti­gen. Schnell wird uns die immense Bedeu­tung die­ses viel­fäl­ti­gen, über­wie­gend unsicht­ba­ren, Netz­wer­kes aus all den „heim­li­chen“ (Überlebens-)Helfern bewusst. Und die Ent­schei­dung, den Wald­bo­den zum Vor­bild für unse­re Gar­ten­schol­le zu machen, ist die logi­sche Konsequenz. 

Der Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen – immer wieder aufs Neue.

Das Gedei­hen des Eda­phons setzt das Vor­han­den­sein von genü­gend orga­ni­scher Sub­stanz im Mut­ter­bo­den vor­aus. Denn dies ist die Nah­rungs­grund­la­ge für alle Boden­le­be­we­sen. Auch unse­re Pflan­zen fin­den hier die Nähr­stof­fe, die sie zum gesun­den Wachs­tum und für eine hohe Wider­stands­kraft gegen schä­di­gen­de Ein­flüs­se benö­ti­gen. Nur eine gesun­de Humus­schicht gewähr­leis­tet auch den opti­ma­len Feuch­tig­keits­ge­halt und eine aus­rei­chen­den Durch­lüf­tung des Bodens. Ist das Boden­le­ben gut ver­sorgt, bewirkt es einen ste­ten Humus­auf­bau und eine gute Durch­mi­schung der orga­ni­schen und mine­ra­li­schen Boden­be­stand­tei­le. Ganz ent­schei­dend hier­für ist, dass wir alle Arten von schäd­li­chen Stof­fen ver­mei­den, die vie­le Lebe­we­sen schwä­chen oder abtö­ten wür­den. Eine scho­nen­de Boden­pfle­ge durch die Bio­gar­ten­pra­xis gewähr­leis­tet uns dies. 

Eine Vielzahl von Nahrungsketten – bestens vernetzt

Grö­ße­re Boden­tie­re wie Regen­wür­mer, Tau­send­füß­ler, Insek­ten­lar­ven und Spring­schwän­ze zer­klei­nern und fres­sen Pflan­zen­res­te und bie­ten so wei­te­ren Tier­chen und Pil­zen ver­füg­ba­re Nah­rung. Ande­re Boden­le­be­we­sen haben sich auf den nähr­stoff­rei­chen Kot die­ser „Pri­märz­er­set­zer” spe­zia­li­siert und bau­en ihn wei­ter ab. Ihre Hin­ter­las­sen­schaf­ten wie­der­um bie­ten Bak­te­ri­en die Lebens­grund­la­ge, die dar­aus mine­ra­li­sche Pflan­zen­nähr­stof­fe for­men. Die­se Bak­te­ri­en stel­len ihrer­seits die Nah­rung von Ein­zellern dar, die­se wer­den von grö­ße­ren Räu­bern erbeu­tet, die wie­der­um das Opfer etwa von Maul­wür­fen, Spin­nen, Hun­dert­füß­lern oder Insek­ten wer­den, und natür­lich gibt es auch Spe­zia­lis­ten, um Totes zu beseitigen … 
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Pflanzliche und tierische Lebewesen – Mikroflora, Mikrofauna und Mesofauna 

Die wich­tigs­ten – auch von der Mas­se her bedeu­tends­ten – Boden­be­woh­ner gehö­ren zur Mikro­flo­ra. Der all­ge­mein gebräuch­li­che Begriff „Boden­flo­ra“ ist jedoch nicht ganz kor­rekt. Denn hier fin­den wir auch Wesen, die zwar nicht-tie­ri­sche, aber zum Teil auch nicht-pflanz­li­che Orga­nis­men sind. Zur Mikro­flo­ra zäh­len wir z.B.: Bak­te­ri­en, Pil­ze, Strah­len­pil­ze, Hefen und Algen. In einem Qua­drat­me­ter Humus­bo­den von nur weni­gen Zen­ti­me­tern Tie­fe kön­nen mehr als eine Bil­li­ar­de (eine Mil­li­on Mil­li­ar­den!) Bak­te­ri­en leben und ihrer segens­rei­chen Tätig­keit nach­ge­hen. Boden­tier­chen, die klei­ner als 0,2mm sind, zäh­len wir zur Mikro­fau­na. Und sol­che, die zwi­schen 0,2mm und 2mm groß sind, zur Mesofauna. 

Unser größter Gehilfe – der Regenwurm

Charles Dar­win bezeich­ne­te den Regen­wurm als “den wich­tigs­ten Hel­fer der Bau­ern”. Ist der Acker­bo­den „gesund“, kön­nen die in einem Hekt­ar Flä­che leben­den Regen­wür­mer ein Gesamt­ge­wicht von bis zu 2500 Kilo­gramm errei­chen. Rund 600 Ton­nen Wurm­lo­sung schei­den sie dann dort jähr­lich aus. Und ihre Gän­ge kön­nen eine Gesamt­län­ge von rund 9000 Kilo­me­tern errei­chen. Kein Wun­der, dass ihre Anzahl ein guter, da auch sicht­ba­rer Indi­ka­tor für den Gesund­heits­zu­stand eines Bodens ist. 

Gut gemischt und locker geschichtet – wie ein „toller!!!“ Boden entsteht:

Durch die gründ­li­che Ver­mi­schung von orga­ni­schen und mine­ra­li­schen Boden­sub­stan­zen erschafft das Eda­phon auch die begehr­te Krü­mel­struk­tur im Boden. Dies ist die opti­ma­le Zusam­men­set­zung und Ver­bin­dung aller Boden­be­stand­tei­le. Vom Früh­jahr bis in den Herbst hin­ein wer­den dann Nähr­stof­fe aus die­sem „Spei­cher“ her­aus­ge­löst. Die­se ste­hen den Pflan­zen in abso­lut ver­träg­li­cher Form zur Ver­fü­gung. Über die Füt­te­rung aller Boden­or­ga­nis­men errei­chen wir also indi­rekt die idea­le Dün­gung unse­rer Pflanzen. 
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Das Bodenleben bei Laune halten – behutsam Gärtnern & Nähren

Bei der Bio­gar­ten­pra­xis steht die Stär­kung und Pfle­ge unse­res Gar­ten­bo­dens an ers­ter Stel­le. Ange­passt an die unter­schied­li­chen Bedin­gun­gen im gesam­ten Jah­res­lauf bedeu­tet dies:

  • die Ver­sor­gung mit orga­ni­scher Substanz
  • durch Kom­post, Mulch und Grün­dün­gung
    die ganz­jäh­ri­ge Boden­be­de­ckung durch einen Bewuchs mit leben­den Pflanzen
  • alter­na­tiv dazu die Abde­ckung unse­res Gar­ten­bo­dens mit „Mulch“-Material
  • die Dün­gung der Pflan­zen mit rein orga­ni­schen Mit­teln
    eine behut­sa­me Bodenbearbeitung
  • das Ver­mei­den von Ver­dich­tun­gen
    rein unschäd­li­che Pflanzenschutzmaßnahmen

Letzt­end­lich gelingt es uns, auf die­se Wei­se unse­ren Gar­ten­bo­den von Jahr zu Jahr mehr auf­zu­wer­ten. Mei­ne lang­jäh­ri­ge Erfah­rung dabei ist, dass ich jedes Jahr ca. 1cm Höhe an humo­ser Mut­ter­bo­den­schicht dazu gewin­ne. Und irgend­wie fühlt sich das an, als wür­de auch ich immer rei­cher und rei­cher werden!

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